Berlin, 18. April 2018

Scherer-Preis 2018

Nachwuchspreis für Germanistik der Humboldt-Universität und der Freien Universität Berlin verliehen

Die Literaturwissenschaftlerin Annika Hildebrandt wird für ihre an der Humboldt-Universität zu Berlin vorgelegte Dissertation mit dem Scherer-Preis 2018 ausgezeichnet. Sie wird für ihre Arbeit zum Thema „Kriegsgemeinschaften – Literatur und Politik um 1750“ geehrt. Der mit 5.000 Euro dotierte Preis wird am 19. April 2018 im Rahmen eines festlichen Abendessens in Berlin verliehen.

Nils Fiebig, Sprecher des Vorstandes der Richard M. Meyer Stiftung betonte: „Annika Hildebrandt untersucht mit ihrer Dissertation literarische und sozialtheoretische Kriegsdiskurse. Dabei gelingt es ihr, ein differenziertes Diskussionsfeld um 1750 neuerlich sichtbar zu machen und gegen die Deutungsmacht der Goethezeit zu rehabilitieren.“ Indem Annika Hildebrandt nachzeichne, wie Krieg als differenzierendes Argument von Gemeinschaftlichkeit in Diskurse der Vereinfachung überführt wird, habe die Studie „brisante politische Aktualität“, unterstrich Nils Fiebig Insgesamt wurden sieben Dissertationen für den Scherer-Preis 2018 eingereicht.

In der Begründung für die Ehrung hieß es, weiter, die Schlesischen Kriege (1740–1763) seien ein wichtiger Impuls für die kultur-geschichtliche Dynamisierung im 18. Jahrhundert gewesen. Ihre Relevanz für die Literaturgeschichte sei jedoch seit dem 20. Jahrhundert aus dem Blick geraten: „Annika Hildebrandt profiliert die konfliktreichen Jahrzehnte um 1750 zum ersten Mal als einen Zeitraum, der literarische und politische Konkurrenzen forcierte und auf die Prägung eines modernen Literaturbegriffs um 1800 entscheidenden Einfluss nahm.“ Den Kristallisationspunkt der Untersuchung bilde die parallele Entwicklung von Lyrik und Patriotismus, die in innovativen Kriegslied-Poetiken zusammengelaufen sei. „Die Preisträgerin ordnet dieses Phänomen in ein Spannungsfeld von Dichtungs- und Gesellschafts-theorien ein und geht damit der neuen, diskursübergreifenden Faszinationskraft des Krieges in der Jahrhundertmitte auf den Grund. Eine zentrale These lautet, dass der Krieg den Dichtern und Philosophen um 1750 als Zugang zu grundlegenden Affekten galt, die versprachen, die soziale Differenzierung traditioneller Ordnungen aufzubrechen.“ Die Dissertation wurde von Prof. Dr. Steffen Martus und Prof. Dr. Andrea Polaschegg betreut.

Annika Hildebrandt ist Universitätsassistentin am Institut für Germanistik der Karl-Franzens-Universität Graz. Von 2013 bis 2017 war sie wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für deutsche Literatur der Humboldt-Universität zu Berlin sowie im SFB 644 „Transformationen der Antike“. Ihre Forschung widmet sich den Wechselbeziehungen zwischen Literatur- und Gesellschaftskonzepten seit der Frühen Neuzeit; ein besonderer Schwerpunkt liegt auf einer diskurshistorisch kontextualisierten Geschichte der Lyrik und Lyriktheorie seit dem 18. Jahrhundert. Gegenwärtig arbeitet sie an einer kommentierten Edition der literarischen und literaturkritischen Schriften von Johann Georg Sulzer, die sie im Rahmen der „Gesammelten Schriften“ (Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg) mitherausgibt. 

Der Scherer-Preis wird alle zwei Jahre von der Richard M. Meyer Stiftung in Kooperation mit der Humboldt-Universität zu Berlin und der Freien Universität Berlin für Dissertationen oder Habilitationen auf dem Gebiet der älteren und neueren deutschen Literatur vergeben.

Mitglieder des Fachbeirates für den Scherer-Preis 2018 waren Prof. Dr. Cornelia Zumbusch, Universität Hamburg, Prof. Dr. Bent Gebert, Universität Konstanz und Prof. Dr. Nicolas Pethes, Universität Köln. 

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