Richard M. Meyer (1860-1914)

 

Der jüdische Bankierserbe Richard Moritz Meyer studierte Germanistik in Leipzig, Berlin und Straßburg. In Berlin hörte er Vorlesungen bei Wilhelm Scherer, dem Begründer der Goethe-Philologie, dessen Arbeitsweise und Andenken sich Meyer sein ganzes Leben verpflichtet fühlte. 1910 errichte Meyer in Berlin die mit 100.000 Mark Kapital ausgestattete Wilhelm Scherer-Stiftung zur Unterstützung von jungen Wissenschaftlern.

 

1886 habilitierte Meyer sich an der Berliner Friedrich-Wilhelms-Universität und nahm im selben Jahr seine Lehrtätigkeit als Privatdozent auf. 1900 wurde Meyer zum Professor und 1901 zum außerordentlichen Professor in Berlin berufen.

 

Einer breiten Öffentlichkeit wurde Meyer durch seine Biographien über Johann Wolfgang von Goethe (1895) und Friedrich Nietzsche (1913), sowie durch seine im Auftrag des Bondi-Verlags im November 1899 veröffentlichte Deutsche Literaturgeschichte des 19. Jahrhunderts bekannt, die wie seine Goethe-Biographie in mehreren Auflagen erschien.

 

Schon früh engagierte sich Meyer als Mäzen und unterstützte 1888 Friedrich Nietzsche und ab 1892 dessen Schwester Elisabeth Förster-Nietzsche finanziell. Auch förderte er die Karriere von Stefan George, der wie Thomas Mann, Gerhart Hauptmann, Ricarda Huch, Marie von Bunsen, Stefan Zweig, Gustav Frenssen, Emil Ludwig, Björn Björnson oder die Künstler Melchior Lechter, Curt Stoeving oder Markus Behmer zu den Gästen in seinem Berliner Salon in der Voßstraße 16 zählten, bei dem Meyer und seine Frau Estella die führenden Vertreter der Kunst- und Kulturszene begrüßen konnten.

 

Meyer engagierte sich u.a. ab 1887 in der Goethe-Gesellschaft und wurde 1910 von Elisabeth Förster-Nietzsche, mit der ihm eine fast zwanzig jährige Freundschaft verband, in den Vorstand der Stiftung Nietzsche-Archiv berufen.

 

Neben einer umfangreichen Bibliothek trug Meyer mit seiner Frau Estella eine bedeutende Kunstsammlung zusammen, zu der nicht nur der schon von seinem Vater Friedrich Meyer (1820-1881) erworbene „Nachmittag im Tuileriengarten“ von Adolph von Menzel zählte, sondern auch Auftragsarbeiten von Max Klinger, Franz von Stuck, Franz von Lenbach oder dem Berliner Malerehepaar Lepsius, ergänzt um Gemälde zeitgenössischer Künstler wie Max Liebermann, Max Slevogt, Walter Leistikow oder Ferdinand Hodler.

 

Richard M. Meyer verstarb am 8. Oktober 1914 in Berlin und wurde auf dem Jüdischen Friedhof in der Schönhauser Allee beigesetzt.

 


 


 

Richard M. Meyer - Portrait von Reinhold Lepsius

 

Richard M. Meyer Stadtpalais in der Voßstraße 16